„Ich bin, weil du bist“: Wie die afrikanische Lebensphilosophie Ubuntu dir inneren Frieden bringt

Ubuntu

Lesezeit: 4 Minuten

Nur ein Wort: Ubuntu. Wenn du dabei an das Linux-Betriebssystem denkst, darfst du dich jetzt auf ein ganz anderes Thema einstellen. Und zwar bezeichnet dieses „Ubuntu“ eine afrikanische Lebensphilosophie, nach der zum Beispiel der südafrikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu lebt.

Ich habe das Buch von seiner Enkelin Mungi Ngomane gelesen, und fand diese Lebensphilosophie so bereichernd und so zu innerem Frieden führend, dass ich sie dir nicht vorenthalten möchte. Im Folgenden zeige ich dir deshalb die wichtigsten Inhalte dieser Lebensphilosophie namens Ubuntu.

Erkenne dich selbst in anderen Menschen

„I am because you are“ – „Ich bin, weil du bist“: Unter diesem Motto steht das ganze Konzept von Ubuntu. Es ist eine Lehre der Verbundenheit und geht davon aus, dass nur diejenigen, die mit ihren Mitmenschen in Frieden und Wertschätzung leben, auch in sich selbst zu innerem Frieden und Wertschätzung finden können. Deshalb ist die wichtigste Botschaft im Ubuntu: Erkenne dich selbst in anderen Menschen.

Zugegeben, ich fand es am Anfang echt schwierig, diese Botschaft zu begreifen. Mich selbst in anderen erkennen, sogar in den Menschen, die mich schlecht behandelt haben oder so ganz anders denken als ich? „Ja!“, sagt da Ubuntu.

Diese Philosophie setzt nämlich auf die Gemeinsamkeiten – also auf die Fülle – statt auf die Unterschiede und scheinbaren Mängel zwischen uns Menschen. Jeder Mensch trägt Inhalte in sich, die auch du in dir trägst. Nur deshalb kannst du dich überhaupt in andere hineinversetzen. Wenn du die ganze Geschichte einer Person kennst, kannst du fast immer einen anderen Menschen und seine Handlungsweise verstehen.

Ubuntu fordert uns dazu auf, auf diese Verbundenheit zwischen uns Menschen zu achten. Auch zu unserem Wohl: Denn wer andere verletzt oder sich von ihnen abtrennt, verletzt letztlich auch sich selbst. Wenn du anderen Menschen keine Wertschätzung entgegenbringst, verletzt du auch die Wertschätzung deines eigenen Menschseins. Ich weiß, das ist echt kompliziert. Deshalb möchte ich es dir anhand von 2 Beispielen erläutern.

Wer andere verletzt, verletzt sich selbst – 2 Beispiele

Wenn du dich zum Beispiel mit einer Person streitest und sie fortan schlecht behandelst, bemerkst du da nicht auch, wie du dir selbst gegenüber hart und unbeugsam wirst? Ich greife hier sehr gerne auf den Coach Robert Betz zurück: Laut ihm zeigt jedes Gefühl des Unwohlseins oder des „In-sich-zusammenkrampfens“, das etwas nicht stimmt.

Und so ergeht es dir wahrscheinlich auch, wenn du eine andere Person schlecht behandelst. Du verletzt nach Ubuntu damit nämlich nicht nur die Menschlichkeit der anderen Person, sondern auch deine eigene Menschlichkeit. Weil alle Menschen, so Ubuntu, irgendwie eins sind.

Diese Idee existiert nicht nur im Ubuntu: Die Bibel spricht beispielsweise davon, dass alle Menschen aus einem einzigen Menschen geschaffen wurden oder „Brüder und Schwestern“ sind. Oder Buddhisten glauben an die Wiedergeburt der Seele in einem neuen Körper. Dadurch existiert auch im Buddhismus die Grundannahme, dass alles miteinander verbunden ist und zusammengehört.

Ubuntu Mönch

Ein weiteres Beispiel: Mobbing ist heutzutage ein großes Thema. Allerdings nimmt hierbei nicht nur das „Opfer“ Schaden, sondern auch die „Mobbenden“. Oder besser gesagt, die „Mobbenden“ befinden sich in einem inneren Ungleichgewicht, denn sonst müssten sie eine andere Person nicht so erniedrigen.

Vielleicht warst auch du schon mal in der Situation, dass du jemanden absichtlich schlechter als dich selbst dargestellt hast. War das wirklich ein aufrichtig gutes Gefühl? Ich glaube nicht. Ich glaube, es bleibt immer ein bitterer Nachgeschmack zurück und die Angst, „entlarvt“ zu werden. Die Angst, dass jemand entdecken könnte, dass du dich selbst in diesem Moment nicht für gut genug hältst.

Was du also tust, ist keineswegs heilsam oder befreiend, sondern auf eine komplizierte Art und Weise selbstverletzend. Wer anderen nicht mit Wertschätzung und Respekt begegnet, spiegelt sich immer wieder selbst und wirft die eigenen verletzenden Verhaltensweisen auf sich zurück. Ubuntu sagt daher: Erkenne dich in anderen und behandle sie wertschätzend, denn nur so kannst du auch dich selbst wertschätzend behandeln. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, empfehle ich dir diesen Artikel.

Ubuntu versteht jeden Menschen als Teil einer Gemeinschaft

Aber Ubuntu geht noch einen Schritt weiter: Es setzt nicht nur auf Wertschätzung, sondern auch auf die Gemeinschaft insgesamt. Für Ubuntu gehören alle Menschen zusammen, was durchaus Sinn ergibt, wenn wir uns in anderen erkennen sollen. Nur wenn wir uns alle als Teil einer Gemeinschaft verstehen, können wir wirklich unsere wahre Stärke entfalten.

Stelle es dir wie ein Puzzle vor: Ein einzelnes Teilchen ergibt noch kein Bild. Aber alle Teilchen zusammen ergeben ein wunderschönes Portrait, eine tolle Landschaft oder ein kraftvolles Tier.

Ubuntu lädt uns deshalb dazu ein, wieder stärker zusammenzuarbeiten und uns allen gegenüber offen zu zeigen. Jeder hat etwas Wichtiges zu sagen, und jeder sollte ernstgenommen werden. Niemand hat für sich allein die Wahrheit gepachtet.

Damit wir auf dieser Welt gut zusammenleben können, dürfen wir wieder lernen, dass wir nur gemeinsam stark sind. Allein sind wir nicht annähernd so kraftvoll. Überlege doch mal: Hast du schon mal einen Umzug allein gestemmt? Oder würdest du die ganze Arbeit in der Firma ohne deine Kolleg:innen schaffen? Vielleicht können wir durch Ubuntu lernen, weniger unser eigenes Süppchen zu kochen, sondern wieder mehr die Gemeinschaft im Blick zu haben.

Ubuntu: „Kleine Dinge machen den Unterschied.“

Um das wirklich möglich zu machen, ist gutes Zuhören umso wichtiger. Wie bereits angedeutet, ist jeder von uns ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft und hat wichtige Dinge zu sagen. Das bezieht sich auf Mann oder Frau, Chef:in oder Praktikant:in, oder auch Eltern und Kind. Ein bereichernder Gedanke, findest du nicht? Wird da nicht ganz schön dem Konkurrenzgedanken der Wind aus den Segeln genommen?

Nicht zuletzt setzt Ubuntu darauf, kleinen Dingen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wir Menschen richten unseren Blick so unglaublich gerne darauf, was wir alles nicht haben, nicht können, nicht erreichen oder nicht sind. Dabei gibt es so wahnsinnig viel, was wir alles haben, können, erreichen oder verkörpern!

Um hier wieder mehr Gespür zu entwickeln, sagt Ubuntu: „Kleine Dinge machen den Unterschied.“ Deshalb lenke deine Gedanken ruhig bewusst darauf, was scheinbar so klein und unbedeutend ist. Wenn du möchtest, habe ich hier auch ein paar Beispiele für dich mit Bezug auf die Persönlichkeitsentwicklung.

Ein Fazit zu Ubuntu

Ubuntu ist eine Einladung, ein Geschenk für uns selbst und für andere. Was am Anfang vielleicht abstrakt klingen mag, hat wirklich Hand und Fuß. Trotzdem ist dieser Ausschnitt hier nur ein ganz kleiner von dieser afrikanischen Lebensphilosophie. Auch Humor oder das gegenseitige Vergeben spielen eine unglaublich wichtige Rolle.

Ich jedoch möchte an dieser Stelle erst einmal Schluss machen und dich dazu einladen, dich auf diese vielleicht anfangs etwas absonderlich klingenden Gedanken einzulassen. Für mich sind sie eine wunderbare und wirklich handfeste Art und Weise, um zu mehr innerer Balance, innerem Frieden und stabilen und gesunden Beziehungen zu finden. Ich wünsche dir in der Auseinandersetzung mit Ubuntu ganz viel Offenheit, Mut und Spaß!

Herzlich, Sabrina

Wie gefällt dir dieser Artikel? Hast du schon mal was von dieser afrikanischen Lebensphilosophie gehört? Fandest du sie hier verständlich? Hast du Lust, sie auszuprobieren? Ich freue mich auf deine Gedanken!

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