Finde innere Balance – 6 Weisheiten aus dem Tao te King

Tao te King für Balance

Lesezeit: 3 Minuten

Das Leben ist intensiv. Gerade sind wir noch auf Wolke 7 – und im nächsten Augenblick zieht es uns den Boden unter den Füßen weg. Manchmal stellt diese Welt eine ziemliche Herausforderung dar, mit all den Ansprüchen, der Hektik und unserem daraus entstehenden inneren Chaos.

Immer mehr Menschen wenden sich deshalb Alternativen zu: Yoga, Meditation und Achtsamkeit beispielsweise werden immer bekannter. Und auch, wenn ich noch nicht so lange in diesem Feld mitmische, möchte ich dich zu einer dieser Alternativen einladen: Den Taoismus.

Auf Basis der Sammlung des „Tao te King“ nach Wayne W. Dyer stelle ich dir hier ein paar Gedanken vor. Vielleicht schaffst du es mit ihnen, den Herausforderungen des Lebens etwas gelassener zu begegnen und in deine innere Balance einzutauchen.

1. Das eine nicht ohne das andere

Wenn du schon mal in meinen Artikel „Gut genug“ geschaut hast, kennst du bereits eine meine großen Erkenntnisse: Das eine kann nicht ohne das andere bestehen. Wir werden nie Freude ohne Leid erfahren. Wir werden nie von etwas gepackt sein, ohne uns jemals gelangweilt zu haben. Alles hat seine Daseinsberechtigung, und das Gute kann ohne das Schlechte nicht existieren.

Es macht also keinen Sinn, das Chaos aus deinem Leben aussperren zu wollen – denn ohne Chaos gibt es auch keine Ordnung. Ohne Gleichgewichtsverlust keine Balance. Das Leben ist ein Spiel aus innerer Verlorenheit und der immer wiederkehrenden Stabilisierung. Und keines davon ist besser oder schlechter. Es existiert einfach nur.

2. Bemühe dich nicht – sei

Genau wie du – mit all deinen Ecken und Kanten, deinen guten wie schlechten Seiten darfst du existieren und sein. Die Daseinsberechtigung ist eines meiner großen Schwierigkeiten, um ehrlich zu sein. Ich darf Raum einnehmen. Ich darf so sein, wie ich bin. Und ich bin allen anderen ebenbürtig, nicht besser oder schlechter als irgendjemand sonst.

Die Vorstellung, mich auf einer Stufe mit anderen zu sehen, ist zugegeben noch eine ziemlich neue für mich – und sie fällt mir alles andere als leicht. Vielleicht weißt du ja, wovon ich spreche. Doch laut dem Tao te King dürfen wir einfach nur sein und loslassen. Dieses Loslassen, dieses Mitgehen mit dem Leben und sich nicht bemühen oder gefallen wollen, ist wahrscheinlich eine der besten und nachhaltigsten Methoden zu innerer Balance und Frieden.

3. Das Weiche übertrifft das Harte

Klingt ganz nach Nachgiebigkeit, oder? Und tatsächlich: Wer nachgibt, sich nicht gegen die Herausforderungen des Lebens sperrt, ist stärker als jeder andere. Stelle dir einen Baum vor: Je höher er wächst, desto heftiger zerrt der Wind an seiner Krone.

Ein starrer Baum, der nicht mit dem Wind mitgeht, wird schließlich vom Sturm aus der Erde gerissen. Ein Baum hingegen, der sich sanft im Wind mitwiegt, überlebt auch starke Winde. Seine Wurzeln sind fest in der Erde verankert.

Die Bäume brauchen sogar den Wind! Wenn sie ohne ihn aufwachsen, fallen sie erwiesenermaßen irgendwann einfach um. Genauso sind wir auch – wir brauchen die Herausforderungen, um einerseits nicht in Langeweile zu ertrinken, und andererseits, um im Leben vorwärtszukommen. Doch bleibe weich dabei! Wie der Spruch 43 aus dem Tao besagt: „Das Schwache überwindet das Starke. Das Weiche übertrifft das Harte.“

4. Du brauchst keine Gewalt

Was nicht heißt, dass in uns nicht auch manchmal ein Kampf tobt – tatsächlich, wie wir im ersten Punkt gesehen haben, ist es sogar ganz normal und natürlich, dass in uns das „Licht“ und die „Dunkelheit“ gleichermaßen wohnen. Wir dürfen nur beständig daran arbeiten, unser Licht zu stärken und die Finsternis damit auszuleuchten.

Aber Gewalt wohnt uns schließlich allen inne. Sie ist ein hilfreiches Mittel zur Verteidigung. Doch sollten wir sie so wenig wie möglich einsetzen. Wer andere verletzt, verletzt sich immer selbst. Oder fühlt es sich wirklich gut an, wenn du anderen wehtust? Ich bin mir sicher, dass das nicht der Fall ist. Es schwingt immer Bitterkeit und Wut in einer absichtlichen Verletzung. Wenn wir Gewalt so wenig wie möglich einsetzen, sind wir nicht nur gut zu den anderen, sondern auch zu uns selbst.

5. Vertraue für innere Balance

Ich weiß, das ist manchmal alles andere als einfach. Genau wie dieser fünfte Punkt, von dem ich jetzt berichte: Vertrauen. Vertraue darauf, dass das Leben dir alles gibt, was du benötigst. Du brauchst keine Angst zu haben, zu kurz zu kommen. Es gibt immer einen nächsten Schritt, der für alles Notwendige sorgen wird. Zugegeben, ich finde diesen Punkt wirklich schwer in einer konsumorientierten Welt, wo du in Großstädten betrunkene Bettler an jeder Straßenecke siehst. Wie kann man da nicht Angst haben, zu kurz zu kommen?!

Vielleicht wagen wir uns deshalb gemeinsam in kleinen Schritten vor und bestehen das nächste Mal zum Beispiel nicht auf den letzten Keks in der Packung. Oder wir verzichten auf das neue Jeansmodell, dass es uns so angetan hat. Ein Anfang wäre es sicher, auch wenn unser Ego vielleicht der Endgegner ist – das Finale im Spiel um innere Balance, Zufriedenheit und ein erfülltes Leben.

6. Sei wie Wasser

Apropos Fülle! Eine weitere wichtige Lehre des Taoismus ist der Vergleich mit dem Wasser: Es ist sich für nichts und niemanden zu schade. Für jedes Lebewesen das wichtigste Elixier, nährt es uns ohne eine Gegenleistung. Lässt sich aber auch nicht aufhalten. Selbst den dicksten Felsen durchbricht es mit seiner Beharrlichkeit und Stärke.

Sei wie das Wasser. Gib nicht auf. Suche dir neue Wege. Sei dir für nichts und niemanden zu schade, denn von jedem und allem kannst du etwas für dich mitnehmen. Du musst dein Leben nicht mit irgendwelchen Materialien füllen, um deine eigene Leere und scheinbare Unzulänglichkeit zu vergessen. Es ist genug da, wenn du es nur annimmst.

Auch diese Lektion finde ich persönlich extrem schwierig. Aber den Ansatz kann ich verstehen. Er hängt genauso mit dem Loslassen wie mit dem Annehmen und der Weichheit zusammen. Wir können lernen, das Leben so sein zu lassen, wie es ist – und trotzdem „unser Ding“ machen. Das klingt doch wirklich nach innerer Balance, oder was meinst du?

Innere Balance mit dem Tao te King

Das waren 6 Lehren aus dem Taoismus, die dir dabei helfen können, innere Balance zu finden. Dabei habe ich nie behauptet, dass das einfach wäre! Aber ich glaube, wenn wir Stück für Stück diese Lehren in unser Leben integrieren, können wir auf jeden Fall davon profitieren. Profit – wieder so ein Ego-Wort. Aber du weißt bestimmt, was ich meine. Ich hoffe, mit dem ein oder anderen Hinweis kannst du etwas anfangen. Viel Erfolg und alles Gute!

Herzlich, Sabrina

Jetzt freue ich mich auf deine Gedanken! Wie findest du in deine innere Balance? Waren diese Tipps hilfreich für dich? Hast du schon mal vom Tao te King gehört?

Titelbild: Myriams-Fotos/Pixabay

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