Nie wieder schreien? Wie du um Hilfe bittest, ohne laut zu werden

nie wieder schreien

Lesezeit: 2 Minuten

Wahrscheinlich haben wir alle uns schon mal dabei erwischt: Du bittest jemandem um etwas, dein Gegenüber reagiert nicht wie du erwartest und – schwupps! – wirst du lauter. Obwohl du doch eigentlich nie wieder schreien wolltest. Es kann beim eigenen Partner passieren, bei den Kindern, Familienmitgliedern oder sogar im Büro.

Diese Reaktion ist wohl buchstäblich eine, die dich so richtig aus deiner inneren Mitte katapultiert. Denn wer laut wird, zeigt seine Verzweiflung, sagt Sprachpsychologin Dido-Marie Laux.

Das Ergebnis: Du fühlst dich in deiner Wut nicht gut, und dein Gegenüber … Bei dem kommt nur deine Lautstärke an, und nicht das, was du sagst. Geholfen ist damit keinem. Wie also kannst du es besser machen?

Nie wieder schreien: Formuliere eine klare innere Haltung

Im Prinzip ist es ganz einfach, behauptet Laux: Wenn du dein Gegenüber um etwas bitten willst, solltest du dir bewusst machen, dass du in dieser Situation die Verantwortung trägst. Da du die Person bist, die die Initiative ergreift und etwas fordert, bist du die treibende Kraft. Nicht dein Gegenüber.

Das bedeutet, bevor du dich um dein Gegenüber kümmerst und ihn ansprichst, solltest du dich vorab um dich selbst „kümmern“. Laux zieht einen Vergleich zu den Sicherheitseinweisungen im Flugzeug: „Bevor du den anderen die Atemmaske aufziehst, musst du sie dir als allererstes selbst aufziehen. Erst danach kümmerst du dich um andere.“

Das heißt, du brauchst eine klare innere Haltung. Du solltest wissen, was du willst. Dann spiegelt deine Stimme deine innere Haltung wider, und dein Gegenüber wird das unterbewusst hören – und somit anders auf dich reagieren, als wenn du selbst an deiner Forderung zweifelst.

Ein Beispiel: Du bittest deinen Partner darum, mal wieder staubzusaugen. In Gedanken rollst du aber schon die Augen und grummelst „Das macht er doch eh wieder nicht“.

Aufgepasst: Das menschliche Ohr nimmt jede Kleinigkeit wahr. Deshalb kommt deine Miesepetrigkeit auch unterbewusst bei deinem Partner an, der sich denkt: „Die denkt ja sowieso, ich würde nichts im Haushalt machen. Dann brauche ich mich auch gar nicht bemühen.“

nie wieder schreien - Staubsauger

Wenn du aber selbst überzeugt davon bist, dass dein Partner jetzt gleich staubsaugt, wird deine Stimme deine eindeutige Haltung widerspiegeln. So kommt ein klarer Befehl bei deinem Partner an, der es für ihn viel schwieriger macht, sich deiner Forderung zu entziehen.

Er weiß jetzt, dass du es auch wirklich ernst meinst. Es kostet ihn jetzt wesentlich mehr Energie, sich deiner Verantwortung zu entziehen bzw. sie selbst an sich zu reißen.

Und noch etwas ist ganz wichtig dabei: Er versteht dich auch akustisch viel besser. Schließlich kommt deine gefestigte Stimme aus dem Brustbereich.

Wenn du hingegen in die Kopfstimme wechselst, indem du schreist, sind deine Worte weniger verständlich und werden schnell als nervig und unangenehm empfunden. Bei deinem Partner kommt dann meistens nur deine anklagende Tonlage an. Und, mal ehrlich, dann hättest du doch auch keine Lust, darauf zu reagieren, oder?

Versetze dich in dein Gegenüber hinein

Übrigens ist nicht nur die „Atemmaske“ für dich selbst wichtig. Du solltest dir, bevor du dein Gegenüber ansprichst, um die Situation deines Gegenübers klar sein.

Liest dein Partner zum Beispiel gerade Zeitung oder schaut Videos, ist er nicht auf dich konzentriert. Wenn du ihn dann mit einem beiläufigen „Es müsste mal wieder jemand staubsaugen“ ansprichst, kommt das höchstwahrscheinlich gar nicht bei ihm an. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil er dich einfach wirklich nicht wahrnimmt.

Mache dir bewusst, dass dein Partner in diesem Moment ganz woanders ist und nicht darauf wartet, von dir angesprochen zu werden. Deshalb sollte es für dich im allerersten Schritt darum gehen, überhaupt seine Aufmerksamkeit zu bekommen.

Sprich ihn am besten beim Namen an, sodass er sich auch angesprochen fühlt. Wenn er aufschaut und du seine Aufmerksamkeit hast, kannst du deine eigentliche Botschaft senden. Denke daran: Du bist in diesem Moment die führende Person. Du hast die Verantwortung.

So gibt es auch keinen Grund, laut zu werden. Wenn du in deiner inneren Mitte bist und weißt, was du willst, gibt es keinen Grund zum Schreien.


Wahrscheinlich wird das nicht immer hinhauen. Nie wieder schreien vielleicht. Aber immer 1a-klare Botschaften zu senden, kann schon herausfordernd sein. Vielleicht rutscht dir dann doch noch mal ein „Es müsste mal wieder jemand staubsaugen“ raus.

Aber wenn du lernst, möglichst klare Botschaften zu senden, verbessert das deine Kommunikation enorm. Vielleicht reagiert dann dein Partner ja auch so schon auf dich. Wenn nicht, dann sammle dich wieder, denke an deine „Atemmaske“ – an deine Verantwortung –, und dann sendest du eine klare Botschaft.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

Ganz herzlich, Sabrina

Was meinst du – wirst du in Zukunft aufs Schreien verzichten können? Ich fand den dazu passenden Artikel von der Zeit sehr gut und wollte ihn deshalb unbedingt nochmal in eigenen Worten für meinen Blog verarbeiten. Wie gefallen dir denn die Tipps? Ich freue mich auf deine Gedanken zu meinem Artikel!

Den zugehörigen Artikel von der Zeit findest du übrigens hier zum Nachlesen.

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