Der innere Kritiker: Wie du die nörgelnde Stimme in deinem Kopf leiser drehst

der innere Kritiker kann laut sein

Lesezeit: 4 Minuten

„Ach Mist, wieso treffe ich denn einfach nicht?“, stoße ich aus, als die kleine schwarze Kugel schon wieder an meinem Squash-Schläger vorbeifliegt. „Dabei war das so ein einfacher Ball!“ Zumindest vermeintlich. Was ich dabei vergessen habe: Ich spiele gerade erst zum zweiten Mal „Kastentennis“. Als ich zum Ball trotte, wird es mir bewusst und ich denke leise: „Okay, vielleicht darf ich etwas nachsichtiger mit mir sein. Alles ist gut.“

Diese Szene ist Teil eines Selbstgesprächs, nachdem ich mich knapp 2 Jahre mit Persönlichkeitsentwicklung, Achtsamkeit und Selbstannahme beschäftigt habe. Ich habe mich seitdem schon häufiger mit dem „inneren Kritiker“ auseinandergesetzt, den wir irgendwie alle kennen: Diese Stimme im Kopf, die uns so gerne rügt, uns herablassende Dinge an den Kopf wirft oder uns manchmal sogar richtig terrorisiert.

Mein innerer Kritiker hatte es damals richtig drauf – ich konnte mich stundenlang wegen irgendeiner Kleinigkeit selbst fertigmachen. Aber seitdem ich von ihm gehört und ihn langsam kennengelernt habe, komme ich viel besser mit ihm aus. Und vielleicht mit diesem Artikel ja auch du.

Was ist der innere Kritiker?

Aber was genau ist der innere Kritiker? Kurz gesagt: Die Stimme in unserem Kopf, die uns all unsere vermeintlich schlechten Eigenschaften, Taten oder andere Sachen an den Kopf wirft. Eben die Dinge, die wir manchmal über uns selbst denken.

Wir sind nämlich unsere eigenen inneren Kritiker – in der Funktion, uns selbst zu schützen, zum Beispiel vor der Ablehnung anderer Menschen. Eigentlich meinen wir es nur gut mit uns (auch wenn es definitiv manchmal nicht so wirkt!), denn oftmals übertreiben wir es auch gerne mit der Selbstkritik als Schutzfunktion.

der innere Kritiker kann manchmal ununterbrochen plappern

Der innere Kritiker bildet aber nur einen Teil von uns ab. Selbst wenn wir das Schlechteste von uns denken, schlummern auch Anteile in uns, die uns freundlicher gesonnen sind. Die an uns glauben. Und mit diesen können wir wunderbar lernen, unseren inneren Kritiker im Zaum zu halten. Jeder besitzt den eigenen, inneren Kritiker. Aber die Menschen, die liebevoll zu sich selbst sind, haben den inneren Kritiker kennengelernt und wissen, wie sie ihn achtsam leiser drehen können.

Wie du deinen inneren Kritiker leiser drehst

Aber warum ist es so wichtig, diese nörgelnde Stimme in deinem Kopf leiser drehen zu können? Ganz einfach: Wenn du sie nicht „runtertunen“ kannst, ist sie einfach viel zu präsent in deinem Leben! Und wenn wir das nicht wissen, lassen wir zu, dass sie uns ankeift, das Leben vermiest und wir vor lauter Kritik zu einem Häufchen Elend zusammenschrumpfen. Dass dein innerer Kritiker ziemlich ungehalten ist, merkst du zum Beispiel daran

  • … dass du negative Glaubenssätze in dir trägst, zum Beispiel Sätze wie „Ich bin dafür zu doof!“ oder „Ich sage immer blöde Sachen“ oder „Ich bin keine gute Partnerin.“
  • … dass dein innerer Kritiker dich daran hindert, bestimmte Dinge zu tun, wie beispielsweise endlich mit dem Sport anzufangen oder deinen Traummann nach einem Date zu fragen
  • … dass du unter einem starken Minderwertigkeitsgefühl leidest, das sich stark auf dein Leben auswirkt: Zum Beispiel im sozialen oder beruflichen Kontext, wo du dich isolierst oder übergangen wirst.

Es ist daher wichtig, deinen inneren Kritiker zu kennen und ihn liebevoll in seine Schranken zu verweisen. Und so kann das funktionieren:

1. Erkenne deinen inneren Kritiker

Bevor du anfängst, an deinem inneren Kritiker herumzubasteln, darfst du lernen, ihn zu erkennen. Ganz oft reden wir selbst nämlich sehr geringschätzig mit uns, kritisieren uns andauernd und halten das dann für „normal“.

Wenn du also wieder darüber nachdenkst, wie doof du dich angeblich gerade verhalten hast, ist das der erste Moment, in dem du denken darfst: „Aha, da bist du ja wieder! Hallo, innerer Kritiker.“ Das Erkennen ist eine ganz wertvolle Methode, um zu verstehen, was hier gerade passiert. Manche geben ihrem inneren Kritiker sogar einen Namen.

2. Hat er ausnahmslos recht?

Im nächsten Schritt darfst du dir die Funktion des inneren Kritikers bewusst machen. Der innere Kritiker ist nicht böse, er ist besorgt. Aber hat er denn Grund zur Sorge? Und muss er deshalb so harsch mit dir umgehen?

Squash - Spiel für den inneren Kritiker

Ich gehe dafür nochmal an den Anfang dieses Textes zurück: Ja, ich habe wieder den Ball nicht getroffen, und habe Angst, dass meine Spielpartnerin deshalb gelangweilt oder genervt ist. Aber ganz ehrlich: Eigentlich gibt es dafür keinen Grund, denn wir haben durchaus rasante und längere Ballwechsel. Außerdem spiele ich gerade das zweite Mal – dass mir manche Bälle einfach noch entgehen, ist deshalb ganz normal. Die Kritik ernsthaft zu hinterfragen, kann sehr gut helfen, deinen inneren Kritiker wieder etwas zu beruhigen.

3. Beharrlichkeit bringt den Erfolg

Zugegeben kann es gerade am Anfang sehr schwer sein, so auf deinen kleinen „Feind-Freund“ zu reagieren. Das Gehirn lässt sich nicht von einem auf den anderen Tag umtrainieren. Wenn du jahrelang dem inneren Kritiker sehr viel Spielraum gegeben hast, wird er sich nicht so schnell vom Platz zurückziehen wollen.

Hier hilft nur: Beharrlichkeit. Ausdauer. Geduld. Jedes Mal aufs Neue darfst du liebevoll an dir arbeiten. Und bitte keinen Stress! Wenn du dich dafür fertigmachst, dass du deinen inneren Kritiker nicht im Zaum halten kannst, dann fütterst du ihn damit nur weiter. Der Erfolg kommt nicht über Nacht. Aber wenn du dranbleibst – das kann ich bestätigen – fällt dir Stück für Stück auf, wie gut du mit der Zeit vorwärtskommst.


Du und dein innerer Kritiker: Ihr könnt einen liebevollen Umgang miteinander finden. Aber das heißt nicht, dass er ganz verstummen sollte. Denn er ist auch unser Wachstumsantrieb. Wer sich niemals selbst kritisiert oder ja, minderwertig fühlt, der wird keinerlei Antrieb haben, sich selbst weiterzuentwickeln. Das widerspricht der Natur.

Ein innerer Kritiker darf deshalb ruhig da sein – aber in Maßen. Eben so, dass du ihn falls nötig leiser drehen kannst, und ihr im besten Fall sogar konstruktiv zusammenarbeiten könnt. Erkennen, hinterfragen, dranbleiben. Damit könnt ihr ein super Team werden!

Herzlich, Sabrina

Jetzt freue ich mich auf deine Meinung: Wie gehst du mit dir selbst um? Kennst du solche Situationen oder ähnliche Situationen wie die beim Squash? Hast du schon mal vom inneren Kritiker gehört? Welche Tipps willst du miteinbringen? Ich freue mich auf deine Gedanken.

Titelbild: StockSnap/Pixabay; Bild 1: K-images/Pixabay; Bild 2: Firmbee/Pixabay

Dir gefällt der Artikel? Dann freue ich mich sehr, wenn du mich unterstützt und ihn an jemanden schickst, dem er auch helfen könnte.

Du kannst hier etwas für dich mitnehmen? Super! Um auf dem Laufenden zu bleiben, trage dich gerne für den Newsletter ein:

Und hier geht’s weiter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.